Schafft die Kundentoilette ab

Wären Gastronomen  verpflichtet, die selbe Toilette wie Ihre Kunden zu benutzen, würden Ihnen die Missstände auffallen. 

Wer ein Café  oder ein Restaurant betreibt und sein Geld mit dem Ausschank von Getränken verdient, sollte  sich auch über den "Lifecycle" seiner Produkte bewusst sein. Sie durchfließen den Körper und wollen ihn auch wieder verlassen. Wer eine Zeit lang als Gast verweilt - und das will der Gastronom doch, oder nicht? -  wird früher oder später die Toilette aufsuchen (müssen). 

 

Gastronomiebetriebe sind eine Bleibe auf Zeit. Ähnlich einer Ferienwohnung oder eines Hotels ist der Kunde Gast in der Immobilie des Gastronomen - mit kürzerer Aufenthaltsdauer. Und dafür zahlt der Gast - einkalkuliert in die Preise - auch die Miete. 

 

Hotels mit Badezimmern nach Vorbild der Gästetoiletten in Gastronomiebetrieben finden sich in Bewertungsportalen in der 0-Sterne-Kategorie wieder. 

 

Ja, die Gäste sind aber auch Schweine, bei sich zu hause machen die sicher nicht so einen Dreck, hinterlassen die Toilette doch bestimmt nicht so, aber bei dir im Restaurant! Daneben geworfene Papierhandtücher, leere Klopapierrollen auf dem Boden, verstopfte Toiletten, Seifenschlieren im und Wasserpfützen neben dem Waschbecken, ganz zu schweigen vom Ignorieren der Nutzung der WC-Bürste und des Mülleimers für Hygieneartikel.

 

Dreck zieht Dreck an. Mit dem ersten daneben geworfenen Papierhandtuch nimmt die Vermüllung ihren Lauf. Die erste leere Klopapierrolle, ohne einfache Möglichkeit eines Ersatzes durch den Gast selbst, startet die Toilettenverstopfung durch Nutzung von Taschentüchern und Papierhandtüchern.

 

Ja das ist Arbeit, sich darum zu kümmern, dass eine Toilette, die von mehr als zwei Personen benutzt wird, aussieht wie eine Hotelzimmer-Toilette. Es ist auch Arbeit, arbeiten zu gehen, um sich den Luxus eines Barbesuchs zu leisten. Das ist der Deal den wir zwei,  du als Gastronom und ich als Kunde, eingehen. 

 

Ich möchte eine Auswahl an Getränken haben, die ich zuhause nicht bevorraten möchte,  einen Drink bestellen, den ich nicht selbst zubereiten muss und im von dir ausgesuchte Ambiente, als Abwechslung zu meinem Zuhause und Ablenkung von meinem Alltag, die Gesellschaft anderer Menschen genießen. Und ich möchte eine Toilette vorfinden die mir den Eindruck vermittelt, dass mein Gastgeber wert darauf legt, dass ich mich hier wohl fühle.

 

Dafür bezahle ich dann gerne rund 350% mehr, als wenn ich mir mein Bier zuhause selbst aufmache.

Eine regelmäßige Kontrolle und Reinigung durch die Mitarbeiter während des laufenden Betriebs muss doch möglich sein. Dem Kunden diese Mehrarbeit durch einen aufgehängten und abgezeichneten Reinigungsplan zu beweisen, ist meiner Meinung nach gar nicht nötig. Wenn ich eine saubere Toilette vorfinde bin ich zufrieden. Wer da wann sauber gemacht hat, interessiert mich nicht. 

 

Das Toilettenpapier, die Handtücher und die Seife aufgefüllt, ein kurzer Kontrollblick in die Toiletten, die Handtücher in den Mülleimer befördert, einmal über das Waschbecken gewischt - fertig ist die gastfreundliche Kundentoilette.

 

Wer jetzt noch nicht an den Rand seiner Möglichkeiten als Gastgeber gekommen ist, setzt dem ganzen noch eins drauf, installiert einen Kleiderhaken in jeder Toilette für Jacke und Handtasche  und sorgt für einen angenehmen Duft und eine angenehme Geräuschkulisse. Vorbildlich gelöst hat das zum Beispiel Das Voglhaus in Konstanz - einfach mal hingehen und vor allem die Toilette besuchen. 

Du bist Dienstleister, kritikfähig und möchtest mehr kunden zu Fans machen - dann schreib uns und wir kommen vorbei um dir unseren "Senf dazu" zu geben. 

Zugunsten der Lesbarkeit verwende ich hier die männliche Form, es sind aber auch Kundinnen und weibliche Gastronomen angesprochen.